
MUSEUM FÜR KERAMIK
UND ANGEWANDTE KUNST
Ich lerne im Museum
Am 5. Juni 2019 eröffnete das Forum Waldenburg mit dem Museum für Keramik und angewandte Kunst. Es befindet sich in der historischen Töpferei der Töpfergasse 8. Auf einer Fläche von ca. 770 m² sind sowohl die historisch technischen Anlagen, als auch eine umfangreiche Sammlung verschiedener Keramiken zu betrachten.
Historische Kohlebrennöfen, die teilweise noch benutzt werden können, sind im Erdgeschoß des Museums erlebbar. Im Unterschied zu herkömmlichen Museen entsteht durch das Zusammenwirken von Ausstellung, Forschung und Bildung sowie der gemeinsamen Nutzung von Atelier-, Seminarräumen, Werkstätten, einer Bibliothek und einem Archiv ein ganzheitliches Angebot, welches eine Begegnung mit dieser Kunst für die gesamte Öffentlichkeit und Experten ermöglicht.
Wir möchten Ihnen gern unser neues Bildungskonzept vorstellen, welches im Museum für Keramik und angewandte Kunst genutzt und von kompetenten Fachkräften gelehrt werden kann.
Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern sie macht sichtbar.
– Paul Klee –
Das Forum Waldenburg versteht sich nicht nur als Ort der Präsentation von Kunst und Kunsthandwerk sowie der Erschließung von Nachlässen und Dokumentenarchiven, sondern auch als Forschungs- und Bildungszentrum.
Im Mittelpunkt stehen das kulturelle Leben und künstlerische Schaffen in Mitteldeutschland und Osteuropa nach 1945. In enger Zusammenarbeit mit den im Forum Waldenburg angesiedelten Sammlungen, regionalen Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie historischen Orten der Stadt Waldenburg hat sich eine pädagogische Praxis entwickelt, die Forschung, Vermittlung und praktische Erfahrungen miteinander verbindet. Im Rahmen dieses Konzepts werden vielfältige Veranstaltungsformate, wie Workshops, Führungen und Schulungen ebenso angeboten, wie Künstleraufenthalte, die Raum für kreatives Schaffen und dessen Vermittlung bieten.
Ein zentrales Element der pädagogischen Praxis bilden die Schaulager mit angeschlossener Dokumentationswerkstatt im Museum und der Töpferwerkstatt. Hier werden Kunstwerke und Dokumente nicht nur bewahrt, erforscht und dokumentiert, sondern als Teil eines offenen Arbeitsprozesses zugänglich gemacht. Anders als ein klassisches Museumsdepot eröffnen die Schaulager Einblicke in die Sammlungsarbeit: von der Erschließung und Inventarisierung über die Konservierung und Digitalisierung bis hin zur Ausstellungsvorbereitung. Sie verbinden damit Bewahren, Forschen und Präsentieren und machen museale Arbeitsprozesse sichtbar, die üblicherweise hinter den Kulissen stattfinden.
Der in der Sanierung befindliche Marstall wird das Konzept des offenen Schaulagers auf einer neuen Ebene weiterführen, indem der gesamte Gebäudekomplex als musealer Raum gestaltet und Kunst in allen Bereichen erlebbar sein wird. Diese Form der Sammlungsbetrachtung soll beispielgebend für einen neuen Umgang mit Depotarbeit sein. Zugleich verfolgt das Projekt das Ziel, mit dem Marstall ein Zentraldepot für Kunst im westsächsischen Raum zu etablieren.
Das museumspädagogische Konzept knüpft unmittelbar an diese Zugänglichkeit an und versteht Lernen als aktiven, erfahrungsbasierten Prozess. Ausgangspunkt bilden die Kunstobjekte, an denen Wissen vermittelt und erfahren wird. Die Lehr- und Lernangebote richten sich an unterschiedliche Zielgruppen – von Künstlern, Fachleuten und Forschern bis hin zu Kindern, Schülern, akademischem Nachwuchs und der interessierten Öffentlichkeit. Vielfältige Veranstaltungsformate eröffnen altersgerechte und umfassende Zugänge und eine aktive Auseinandersetzung mit den Sammlungen des Forums. Die dabei entwickelten Methoden, Materialien und Erfahrungen werden dokumentiert, digital archiviert und veröffentlicht, um sie langfristig für Forschung und Vermittlung nutzbar zu machen.
Über die Bildungsarbeit hinaus verfolgt das Forum Waldenburg das Ziel, die erlangten Forschungsergebnisse als Grundlage für nationale und internationale Symposien, Kolloquien sowie Kooperationen mit Museen, Sammlungen und wissenschaftlichen Einrichtungen bereitzustellen und diese eng mit ihren Ausstellungskonzepten zu verknüpfen. So schafft das Forum Waldenburg einen Kreislauf, in dem Forschung, Ausstellung und Wissensvermittlung einander wechselseitig bereichern und das kulturelle Erbe kontinuierlich neu erschlossen wird.